Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

Hofmeister: Geriatrische Versorgung ist Kernaufgabe von Hausärzten

18.05.2017 - Die KBV will die ambulante medizinische Betreuung älterer Patienten in Hausarztpraxen ausbauen. „Die geriatrische Versorgung gehört zu den Kernaufgaben von Hausärzten und muss gestärkt werden“, forderte KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister in einem Gespräch mit den PraxisNachrichten.

Hofmeister wies darauf hin, dass der weit überwiegende Anteil geriatrischer Patienten gut und umfassend durch Hausärzte versorgt werde; unterstützt durch Neurologen, Psychiater und Nervenärzte. „Das soll auch so bleiben“, stellte er angesichts aktueller Diskussionen über Zusatzweiterbildungen im Bereich Geriatrie klar. Auch bei der im Sommer 2016 neu eingeführten spezialisierten geriatrischen Diagnostik sei deshalb der behandelnde Hausarzt erster Ansprechpartner.

Hofmeister fordert extrabudgetäre Vergütung

Mit Blick auf den demografischen Wandel kündigte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende an, das Leistungsspektrum der geriatrischen Versorgung erweitern zu wollen. „Wir werden darüber mit den Krankenkassen sprechen, ebenso über eine adäquate Vergütung“, sagte er und fügte hinzu: „Diese Leistungen müssen extrabudgetär honoriert werden und dürfen nicht an unerreichbare Zusatzqualifikationen geknüpft werden.“ Hofmeister wies darauf hin, dass die geriatrische Diagnostik und Therapie im aktuellen EBM nur unzureichend abgebildet seien.

EBM muss um spezifische Leistungen erweitert werden

Gerade der erhebliche Koordinierungsbedarf bei mehrfach erkrankten älteren Patienten wird Hofmeister zufolge nach wie vor nicht angemessen honoriert. Auch das Medikationsmanagement und die Zusammenarbeit mit nichtärztlichen Fachkräften müsse gefördert werden. Hierzu gehöre auch die Einbeziehung von (pflegenden) Angehörigen, die so nicht in der Vergütung abgebildet sei. Dabei müssten auch neue Wege beschritten werden, zum Beispiel das Angebot von Schulungen für Patienten und Angehörige mit dem Ziel, die Mobilität und Selbstständigkeit der älteren Menschen möglichst lange zu erhalten.

Delegation ärztlicher Leistungen ausbauen

Hofmeister sprach sich dafür aus, die arztentlastende Delegation von Leistungen an besonders qualifizierte medizinische Fachangestellte auszubauen. Davon könnten gerade ältere Patienten profitieren. Voraussetzung sei, dass die Betreuung weiterhin durch den Hausarzt koordiniert werde. Pläne, dass akademisch ausgebildete Pflegekräfte als „Ärzte light“ – ohne Anbindung an den behandelnden Arzt – die Patienten medizinisch versorgen, lehnt Hofmeister kategorisch ab. „Dann haben wir ein neues Schnittstellenproblem“, warnte er.

Spezialisierte Diagnostik etabliert

Hofmeister wies darauf hin, dass Hausärzte seit Mitte vergangenen Jahres auf die spezialisierte geriatrische Diagnostik zurückgreifen können. Geriatrisch speziell ausgebildete Ärzte erstellen dabei für ältere multimorbide Patienten mit einem besonderen Versorgungsbedarf – auf Überweisung durch den Hausarzt – einen individuellen Behandlungsplan. Der Behandlungsplan dient anfordernden Hausärzten als Unterstützung für die weitere Therapie in wenigen, besonders komplex gelagerten Fällen. Die Therapiekoordination verbleibt beim zuweisenden Hausarzt.

„Damit bleibt die Steuerung der geriatrischen Versorgung beim überweisenden Arzt, der seine Patienten häufig seit Jahren begleitet, und dem sie vertrauen“, hob Hofmeister hervor. Der Gesetzgeber wollte die spezialisierte geriatrische Versorgung ursprünglich allein den Institutsambulanzen der Krankenhäuser überlassen, wogegen die KBV mit Erfolg interveniert hatte.

Bereits sechs Monate nach dem Start am 1. Juli 2016 verfügten 254 Vertragsärzte über die erforderliche Abrechnungsgenehmigung zur spezialisierten geriatrischen Diagnostik. Hinzu kommen 21 Institutsambulanzen an geriatrischen Krankenhäusern.

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten